Die Fakten zu: Sarrazin „Deutschland schafft sich ab“

Für viele ist es ein Tabubruch, Intelligenz im Zusammenhang mit Vererbung, Minderheiten oder dem Islam zu nennen. Selbst konservative Politiker, wie der ehemalige hessische Ministerpräsident Koch, lehnen eine „Biologisierung“ der Politik ab. Andere rufen „Hurra“, dass nunmehr die schweigende Mehrheit ein öffentliches Gehör findet, die die Integrationserfolge vieler türkischer Mitbürger bemängelt. Aber was steckt wirklich hinter den vieldiskutierten Thesen?

These zur Genetik von Populationen

Es wird häufig kolpotiert, das Buch enthalte die These: „Es gibt ein jüdisches Gen“, In seinem Buch findet sich keine derartige Behauptung. Das wurde Sarrazin wohl nur von wohl meinenden Journalisten angedichtet, allenfalls findet sich die Aussage, es gäbe einen „Anstieg der Intelligenz bei osteuropäischen Juden über Jahrhunderte“. Ansonsten wäre die Behauptung auch großer Unsinn, nicht nur wegen der „political correctness“. Um angeborene Unterschiede von Volksgruppen zu untersuchen, wurden verschiedene genetische Marker von insgesamt 40 Nationen aus allen sechs Regionen der Welt verglichen. Ergebnis: Alle genetischen Unterschiede lassen sich zu 84% aus Unterschieden innerhalb der Populationen erklären, 10% aus Unterschieden zwischen den Regionen und 6% aus Unterschieden zwischen den Populationen innerhalb einer Region. Damit sind etwa die genetischen Unterschiede innerhalb der Gruppe der Deutschen weit größer als die zwischen dem durchschnittlichen Deutschen und den durchschnittlichen Mitglied jeder anderen Population. Damit sind genetisch begründete Versuche, die Über- oder Unterlegenheit von Populationen zu postulieren, zum Scheitern verurteilt. Das gilt auch für Mitbürger mit türkischem Hintergrund.

These: „Intelligenz ist zu 50 bis 80% erblich“

Diese Aussage ist die Grundlage für die Sarrazins Argumentation. Wenn Intelligenz zum Teil genetisch disponiert ist und weniger intelligente Personen durch Heirat oder Familienzusammenführung zuwandern, dann wird diese Intelligenz bei der Fortpflanzung an die nächste Generation weiter gegeben. Wissenschaftlich lässt sich der genetische Anteil von Persönlichkeitsmerkmalen nur indirekt über Zwillingsuntersuchungen feststellen. Dabei ist das Vorgehen folgendermaßen: Zwischen eineigen Zwillingen (Genom zu 100% gleich) besteht z. B. eine Korrelation des IQ von 0,9. Bei normalen Geschwistern (Genom zu 50% gleich) besteht eine Korrelation von 0,6. Dann steht die Differenz von 0,3 für 50% des genetischen Anteils (100%-50%). 100% des genetischen Anteils wären dann 0,3 x 2, also 0,6, Hierbei geht es immer um Durchschnittsbetrachtungen – wie individuell das Schicksal in der Genkombination zugeschlagen hat, ist ganz unterschiedlich. Jedenfalls hat Sarrazin von den Zahlen her recht. Allerdings ist die Argumentation an einer Stelle verkürzt: Wenn ursprünglich deutsche Kinder eine höhere Intelligenz haben, so kann der Unterschied zu Migrantenkindern auch durch ihre im Vergleich geringere Förderung zu Stande gekommen sein: Weniger Bildung für Mädchen, teilweise repetitiver Bildungsansatz in der Ursprungskultur, mangelhafte Sprachkenntnisse – das Sprachverständnis ist schließlich ein Teil der Intelligenz.

Der Einfluß der Geburtenrate

Damit sich eine Gesellschaft reproduziert, sollte jede Frau im Schnitt zwei Kinder bekommen. Hiervon ist Deutschland weiter entfernt als jede andere westliche Gesellschaft. Sarrazin weist darauf hin, dass speziell bei Akademikerin die Geburtenrate drastisch geringer ist. Frauen mit hohem Bildungsstand bekommen im Durchschnitt nur 1,26 Kinder, solche mit niedrigem Bildungsstand hingegen 1,86 Kinder. Dadurch steigt in Deutschland der Anteil an Kindern mit niedrigem Bildungsstand und laut Sarrazin sinkt somit die mittlere Intelligenz. Auch hier ist die Gleichsetzung Sarrazins von Bildung mit Intelligenz problematisch. Wenn die Kinder aus Elternhäusern mit niedrigem Bildungsstand die entsprechende Förderung hätten, dann würde das deutsche Intelligenzniveau nicht sinken. Dennoch müssen auch die Gene eine Rolle spielen, denn zwischen Intelligenz und dem sozialen Status der Eltern besteht „nur“ ein geringer Zusammenhang von 20 bis 30% , welcher für den verbalen Anteil der Intelligenz jedoch etwas höher ausfällt. Zu gute halten muss man Sarrazin, Licht auf die Tatsache geworfen zu haben, dass Deutschlands Bevölkerung schrumpft und dabei anders als z. B. in Frankreich oder den USA der insgesamt zu geringe Nachwuchs überproportional aus Familien mit Migrationshintergrund und / oder aus bildungsferneren Schichten stammt. Aus der Psychologie muss man daher die Forderung unterstützen, entweder durch gezielte Förderung oder durch qualitativ gesteuerte Einwanderung das frühkindliche Bildungsniveau zu heben – der Schwerpunkt lässt sich hier je nach politischer Couleur diskutieren.