Akzeptanz von Remote-AC bei Teilnehmenden

Aufgrund der COVID-19-Pandemie waren in den Jahren 2020-2022 Durchführungen von Assessment Centern (AC) in traditioneller Form kaum möglich. Daher wurden vermehrt Assessment Center remote in digitaler Form durchgeführt. Hierdurch kann einem physischen Aufeinandertreffen von Assessor/innen und Kandidat/innen Abhilfe geschaffen werden. Doch wird diese Art der Durchführung von Assessment Centern von den Teilnehmenden auch akzeptiert?

Aktuelle Obermann Studie zum Thema zeigt unterschiedliche Akzeptanz

Abb. 1: Diagramm zur Akzeptanz von Remote-AC bei Teilnehmenden

Um diese Frage zu beantworten, wurde eine Studie durchgeführt, in der untersucht wurde, ob es einen Unterschied in der Akzeptanz von Teilnehmenden zwischen der Durchführung von Assessment Centern in Präsenz oder remote gibt. Diese Fragestellung ist besonders relevant, da die Akzeptanz des Auswahlprozesses einen Einfluss darauf hat, ob sich der / die Bewerbende nach einem positiven AC-Ergebnis auch für die entsprechende Position entscheidet. Hierzu wurden 198 Probanden aus vergleichbaren AC-Verfahren zu Einstellungs- und Beförderungsentscheidungen gegenübergestellt. Die eine Gruppe absolvierte ein AC in Präsenz und die andere durchlief ein Remote-AC. Hierbei stellte sich heraus, dass die Akzeptanz von Remote-ACs bei den Teilnehmenden sehr stark variiert.

Neben der Beurteilung des Remote-ACs durch die Kandidat/innen wurden diverse andere Variablen erhoben, welche sich möglicherweise auf die Akzeptanz auswirken könnten.

Abb. 2: Korrelationen zw. den Variablen

Hier gilt es besonders drei Korrelationen zu beachten. Zum ersten konnte ein signifikanter positiver Zusammenhang der Beurteilung des Remote-Verfahrens durch die Kandidat/innen mit dem Gesamtergebnis des ACs gefunden werden r=0,30 (p<.01). Zusätzlich fand sich außerdem ein signifikanter negativer Zusammenhang zwischen der Kandidatenbewertung und dem AC Ergebnis „bestanden/nicht bestanden“.  Hier zeigt sich also der Effekt, dass die Akzeptanz der Methode unter anderem von der zurückgemeldeten Leistung abhängt.  Ebenfalls fand sich ein bedeutsamer Zusammenhang zwischen der Teilnehmerakzeptanz und dem Persönlichkeitsmerkmal „Offenheit für Erfahrungen“ von r=0,28 (p<.05). Die Hypothese, dass mehr Erfahrung mit Videokonferenztools mit besserer Akzeptanz zusammenhängt, konnte hingegen in unseren Untersuchungen nicht gefunden werden. Tatsächlich fand sich eine negative (knapp) bedeutsame Korrelation von r=0,17 (p<.05) Außerdem konnte ein Zusammenhang zwischen dem Alter der Teilnehmenden und der Akzeptanz festgestellt werden (r= -.42; p<.05). Je jünger die Teilnehmenden, desto höher fiel ihre Akzeptanz gegenüber Remote-ACs aus.

Die Einschätzung der Teilnehmenden

Um qualitative Beurteilungen zu erhalten, stellten wir den Proband/innen zusätzlich zwei offene Fragen zu den positivsten und kritischsten Aspekten des Remote-ACs. Am häufigsten bemängelten die Proband/innen die fehlende Körpersprache, die durch eine Remote-Durchführung kaum wahrgenommen und gezeigt werden kann. Auf der anderen Seite empfanden die Kandidat/innen in der Remote-Durchführung, vom Home-Office oder dem eigenen Arbeitsplatz aus, mehr psychologische Sicherheit als bei einer Durchführung vor Ort. Auch hierbei waren die Antworten der Teilnehmenden sehr unterschiedlich. Es sollte also vor der Durchführung Wert auf eine ordentliche Vorbereitung (Technik-Check, Vorgehen bei Verbindungsabbrüchen etc.) gelegt werden, um Unsicherheiten vorzubeugen und zu reduzieren.

Christof Obermann
Abb. 3: Christof Obermann

Die Durchführung ist entscheidend

Abschließend lässt sich die anfänglich gestellte Frage so beantworten, dass die Akzeptanz von Teilnehmenden gegenüber der Durchführungsart des Auswahlprozesses einen Einfluss darauf hat, ob sich der /die Bewerbende letztendlich dazu entscheidet, die entsprechende Position anzunehmen. Da die Akzeptanz von Remote-ACs von Teilnehmer/in zu Teilnehmer/in unterschiedlich ausfällt, liegt es insbesondere an der Qualität der Durchführung (z. B. Technik-Check vorab), diese Akzeptanz herbeizuführen und zu gewährleisten. Bei einigen Teilnehmenden scheint eine Durchführung von ACs in Remote-Form dazu beizutragen, mehr psychologische Sicherheit zu verspüren.

Literatur

Basch, J.M., Melchers, K.G., Kegelmann, J. and Lieb, L. (2020), „Smile for the camera! The role of social presence and impression management in perceptions of technology-mediated interviews“, Journal of Managerial Psychology, 35(4), 285-299

Obermann, C. (2021), Remote Assessment Center vs. Traditionelle Assessment Center: Auswirkungen auf den Schwierigkeitsgrad und das Erlebnis der Teilnehmer/innen

Höft, S.; Stumpf, S.; Warszta, T. (2021), „Eignungdiagnostik für die 2020er-Jahre: Überblick zu aktuellen Themenstellungen“, Wirtschaftsypsychologie, 23(4)

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