Wie zukünftige Lufthansa Piloten durch das AC gehen

Das DLR führt die Pilotenauswahl für die Lufthansa durch

Stefan Höft ist Dipl. Psychologe und als Fachkoordinator verhaltensorientierte Diagnostik in der Abteilung Luft- und Raumfahrtpsychologie des Deutschen Zentrums für die Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) für die AC´s zur Pilotenauswahl zuständig. Das DLR führt bereits seit den Fünfzigerjahren als Bundesforschungseinrichtung die Auswahl von Nachwuchspiloten durch. Der Hauptkunde ist in Deutschland die Deutsche Lufthansa AG mit ihren Töchtern verschiedenen Flugbetrieben. In dem Institut in Hamburg werden jährlich etwa 4000 Bewerber auf ihre Eignung hin getestet. Etwa 8% bis 10% werden dann nach den vielfältigen Teststufen als Schüler für die Lufthansa Verkehrsfliegerschule aufgenommen.

Interview

AC-Newsletter: Welche Chancen hat ein Bewerber, bei Ihnen noch als Pilot angenommen zu werden? 

H. Höft: Die formalen Hürden, um überhaupt zum Test eingeladen zu werden, sind überraschend gering. Da genügen fachgebundenes Abitur, eine normale Körpergröße, gutes Sehvermögen (bis max. drei Dioptrin) sowie ein Alter zwischen 19 und 27 Jahren. Diejenigen, die diese Kriterien erfüllen, werden nach Hamburg eingeladen. Darunter übrigens 17% Frauen, die dann die gleiche Erfolgsquote im Verfahren haben wie Männer.

AC-Newsletter: Wie sieht Ihr AC aus? 

H. Höft: Das AC ist verhaltensorientiert und besteht aus drei Übungen, einem Rollenspiel und zwei Gruppenübungen. In dem Rollenspiel wird eine Konfliktsituation unter Kollegen abgebildet. Eine Gruppenübung ist beispielsweise eine komplexe Planungsübung, bei der auf der Basis von vielen Informationen Zeitpläne durch die Gruppe erstellt werden. Diese Übungen werden neben den DLR-Psychologen auch von erfahrenen Ausbildungskapitänen der Lufthansa beobachtet.

AC-Newsletter: Welches Gewicht hat das AC im Gesamtverfahren? 

H. Höft: Das AC ist seit 1994 festes Selektionskriterium im Rahmen des Auswahlprogramms. Man kann sagen, daß etwa 20% der Bewerber in dieser Stufe herausfallen. Wichtig ist anzumerken, dass ein schwaches AC nicht durch die übrigen Testverfahren kompensiert werden kann.

AC-Newsletter: Welche weiteren Hürden gibt es neben dem AC noch? 

H. Höft: Die größte Hürde stellt zunächst vor dem AC eine computergestützte Testbatterie dar. Hier sind ca. 1/3 der Bewerber erfolgreich. Der Schwerpunkt liegt hier auf kognitiven Fähigkeiten, Schulwissen zu Englisch, Physik und Mathematik sowie Psychomotorik und die Mehrfachbelastbarkeit.

AC-Newsletter: Können Sie da ein Beispiel geben? 

H. Höft: In einem Testverfahren zur Mehrfachbelastbarkeit müssen die Bewerber gleichzeitig drei Aufgaben erledigen. Zunächst gilt es, mit Hilfe eines Joysticks einen künstlichen Horizont einzuhalten. Gleichzeitig gibt es eine Monitoring-Aufgabe. Die Bewerber müssen dabei ein Instrument überwachen und bei bestimmten Werten prüfen, ob es sich um Fehlalarm handelt oder eine Gefahrensituation vorliegt. Schließlich gibt es eine dritte, akustische Aufgabe. Über einen Kopfhörer wird – auf dem linken und rechten Ohr unterschiedlich – eine Buchstabenkombination fortlaufend angesagt. Wenn die „richtige“ kommt, dann gilt es entsprechend zu reagieren. Um es noch einmal zu sagen, alle diese drei Aufgaben sind parallel zu erledigen. Allerdings gibt es ausgedehnte Übungsphasen vor dem eigentlichen Test.

Wenn das Ergebnis der Testbatterie dann positiv ausfällt, werden die Bewerber anschließend zum AC eingeladen.

AC-Newsletter: Warum werden nicht gleichzeitig alle Daten erhoben, Test und AC? 

H. Höft: Das ist eine Frage des Aufwands. Nur wer in den verschiedenen Testverfahren jeweils mindestens mittlere Leistungen bringt, der kommt weiter zum AC. Wichtig ist, daß es keine Kompensation zwischen kognitiven und AC-Daten geben darf, in beiden Bereichen müssen die zukünftigen Piloten gut sein, d.h. es gibt klar definierte kritische Schwellen, die nicht unterschritten werden dürfen.

AC-Newsletter: Führen Sie auch Erfolgskontrollen für Ihre Verfahren durch? 

H. Höft: Ja das fordern unsere Auftraggeber ständig an. Schließlich hat das Auswahlverfahren eine sehr lange Wirkung. Wenn die Ausbildung einmal begonnen ist, gibt es neben den Prüfungen zum Lizenzerwerb keine gesonderte Eignungsprüfung zur Übernahme in den Flugdienst mehr. Auch bei der Berufung zum Flugkapitän gibt es keine routinemäßige Eignungsuntersuchung mehr.

AC-Newsletter: Wie sehen Ihre Erfolgskontrollen aus? 

H. Höft: Bereits die Prognosequalität der AC-Ergebnisse für den Ausbildungserfolg an der Fliegerschule fällt gut aus, obwohl dieses Kriterium nur mittelbar mit den im AC erhobenen Anforderungen in Verbindung gebracht werden kann. In einer neueren Studie vergleichen wir das AC-Ergebis mit Peer-Ratings der späteren Kurskollegen in den Ausbildungsgruppen. Hier gibt es erstaunlich hohe Zusammenhänge, obwohl ja nur eine stark vorausgewählte Gruppe zur Ausbildung zugelassen wird. So gibt es etwa in dem Kriterium „Engagement“ einen Zusammenhang von bis zu r = .40 zwischen AC und späterer Kollegeneinschätzung.

AC-Newsletter: H. Höft, vielen Dank für dieses Gespräch.