Richtige Anzahl von Beobachtern im AC

Professioneller Einsatz von Beobachtern im Assessment Center

Das Kernmerkmal von Assessment Centern ist die Tatsache, dass niemals einzelne Personen Einschätzungen vornehmen, sondern dass es multiple Beobachter sind. Dies betrifft die Ebene der Beurteilung einzelner Verfahrenselemente (im Rahmen der Mini-Beobachterkonferenz) oder die Gesamtentscheidung im Rahmen der Gesamtbeobachterkonferenz. Aus Aufwandsgründen ist andererseits die Beobachteranzahl möglichst gering zu halten. Daher stellt sich die Frage nach dem Optimum der Beobachteranzahl.

Bei Beobachtern gilt: Viel hilft viel

Abbildung: Beobachtungsgenauigkeit bei steigender Beobachteranzahl

In einer experimentellen Studie von Wirz et al. (2013) wurden die Effekte der Anzahl der jeweiligen Beobachter auf die Beurteilungsgenauigkeit erhoben. In einem Auswahlkontext (N = 383) wurde dazu bei einer Präsentationsübung systematisch die Anzahl der jeweiligen Beobachter zwischen zwei und zehn variiert, gleichzeitig deren Erfahrung (Psychologiestudenten vs. Manager) und die Qualität des Beobachtertrainings. Ergebnis: Die Beurteilungsgenauigkeit steigt mit jedem zusätzlichen Beobachter an, selbst bei der Hinzunahme von einem zehnten gegenüber neun Beobachtern gibt es noch eine Verbesserung in der Beurteilungsgenauigkeit.

Im Fazit zählt bei der Beobachteranzahl (in fast allen Bedingungen)  die Devise „viel hilft viel“. Es gibt in der Studie keine erkennbare Schwelle, ab der die Hinzunahme von weiteren Beobachtern einen bestimmten Qualitätssprung macht. Dies bestätigt auch die methodische Grundidee des AC, dass multiple Beobachter durch die Kompensation der Beschränkungen von subjektiven Einzelmeinungen am Ende zu besseren Auswahlentscheidungen kommen.

Die Beobachteranzahl kann eine Beobachterschulung kompensieren

Bei näherer Betrachtung der Daten ist die Bedeutung von drei Faktoren in der Kombination relevant, nämlich Größe Beobachterteam, Beobachterschulung und Hintergrund der Beobachter (Psychologiestudenten vs. Manager). Große Beobachterteams können fehlendes Beobachtertraining kompensieren, jedoch nicht bei erfahrenen Managern, sondern nur bei Psychologiestudenten. Es kommt auf die Qualität und Art des Beobachtertraining an. Am wirksamsten wird die Beobachtungsgenauigkeit durch ein Training mit der Frame-of-Reference-Methode, in der die Beobachter eine beispielhafte Durchführung in einem Video sehen und dieses bewerten, erhöht.

 

Quellen:

  • Obermann, C. (2017). Assessment-Center, 6. Aufl., Wiesbaden.
    Wirz A, Melchers K, Lievens P De, Cortec W, Kleinmann M (2013) Trade-offs between assessor team size and assessor expertise in affecting rating accuracy in assessment centers. J Work Organ Psychol 29:13–20