Intelligenz als bester Prädiktor für Erfolg bei den meisten Berufen

Die kognitive Leistungsfähigkeit ist nicht für alle Berufsfelder gleichermaßen valide. Forschungsarbeiten von Hunter (1983) zeigten, dass die prognostische Validität je nach Komplexität variiert: von niedrigen Werten wie r = .23 für Jobs mit niedriger Komplexität (z. B. Garnelen-Puler oder Konservenfabrik-Arbeiter) bis hin zu Korrelationen von r = .58 für komplexere Berufe (z. B. selbstständiger Einzelhandelskaufmann). Je komplexer die Aufgaben auf kognitiver Ebene, desto größer ist der Einfluss von Intelligenz.Die Frage ist nun, inwieweit unsere kognitiven Fähigkeiten z. B. durch Bildung und Herausforderungen entwickel- und trainierbar sind.

Schottland: Intelligenztest noch mal nach 60 Jahren wiederholt

Eine grundlegende Längsschnittuntersuchung zur Stabilität von kognitiven Kompetenzen über eine lange Lebensspanne ist dazu die Scottish Mental Survey (Deary et al. 2004, vgl. nebenstehende Abbildung). In dieser Studie wurden in Schottland in den Jahren 1932 und 1947 70.000 Schüler im Lebensalter von elf Jahren auf ihre Intelligenz getestet. Die Daten wurden 60 Jahre später wiederentdeckt und 1.500 der Personen konnten wieder aufgespürt werden. Diese haben nach all den Jahren den gleichen Intelligenztest wiederholt. Zwischen beiden Messungen besteht ein aufgrund Varianzeinschränkung korrigierter Zusammenhang von r = .73. Dies ist ein äußerst hoher Wert – Retestwerte wenige Wochen nach der Ersterhebung haben kaum höhere Ergebnisse.

Wenn wir uns vergegenwärtigen, welche Umwelteinflüsse unterschiedlich auf die Personen in den 60 Jahren einwirken: Krankheiten, Bildung, Heirat, Umzug. Dennoch haben diese unterschiedlichen Umwelt gegenüber dem Intelligenzniveau einen so geringen Einfluss: Fazit: Der relative Rangplatz unserer Intelligenz im Alter von elf Jahren ist für die meisten von uns trotz der gänzlich unterschiedlichen Förderung und Lebensläufe bis ins hohe Alter ähnlich.

Gute und schlechte Nachricht

Kritische Botschaft: Die statistische Korrelation gibt ja jeweils nur unseren relativen Rangplatz wieder, der relativ gleich bleibt. Auf absolutem Niveau sinkt unser Intelligenzniveau über die Jahre eher. Positive Nachricht: Das Plotchart zeigt auch, dass es einzelne Ausnahmen von dieser Regel gibt. Weitere gute Botschaft: Es gibt die sogenannte fluide Intelligenz (Grundschnelligkeit) und die kristalline Intelligenz. Unter kristalliner Intelligenz versteht man das Faktenwissen, das sich Menschen im Laufe ihres Lebens aneignen, etwa das Wissen über die Hauptstädte der Welt, der Wortschatz und Bildung im Allgemeinen. Dieses Erfahrungswissen steigt im Lebensalter an und kann das ausgleichen, was wir an Grundschnelligkeit verlieren.