Vorerfahrung im Assessment Center – haben Teilnehmer Vorteile?

Haben Teilnehmer Vorteile, wenn sie schon einmal an einem AC teilgenommen haben?

Auf der wissenschaftlichen Seite berührt die Beantwortung dieser Fragen das Thema der Reliabilität, also der Zuverlässigkeit und zeitlichen Konstanz der Messungen im AC und gleichermaßen das Thema der Lern- und Veränderungsfähigkeit aufgrund von Erfahrungen und Rückmeldungen, welche Teilnehmer im AC erhalten. Theoretisch sollten die Ergebnisse über den Zeitverlauf hinweg möglichst konstant sein. Ein solchermaßen ideales AC würde nach zwei Jahren bei den Teilnehmern zu den identischen Resultaten führen. In der Praxis folgt jedoch eine andere Forderung: Das AC würde den Teilnehmern so entscheidende Einsichten vermitteln, dass diese in zwei Jahren auf einem völlig anderen Leistungsniveau sind und bessere Ergebniswerte aufweisen.

Reine Wiederholungen bringen wenig Steigerung

Frühere Untersuchungen zu Lernpotenzial-ACs zeigen, dass die reine Wiederholung von AC-Simulationen ohne weitere Interventionen nicht zu einer Steigerung der Leistungen führt.
Weitere Untersuchungen konnten jedoch mittlerweile nachweisen, dass Feedback durch Beobachter und andere Lerninterventionen zu Leistungssteigerungen führen. Das Veränderungsmaß zwischen den AC-Durchläufen wird als d = Stärke der Testwertveränderung bezeichnet. Dabei sind Mittelwertsdifferenzen zwischen den Durchläufen von 0.20 als klein, 0.50 als mittel und 0.80 als groß zu bezeichnen. Bei der Postkorb-Übung im AC werden durch vage Tipps keine Effekte erreicht, bei einem Training mit Verhaltenshinweisen mittlere bis hohe Effekte zwischen d = 0.42 und 0.99. Bei der Gruppenübung führt eine reine Wiederholung zu keinen Lerneffekten, ein Training plus individuellem Feedback jedoch zu Steigerungen von d = 1.04.

Training und Feedback zeigen Wirkung

In einer Überblicksarbeit (Metaanalyse) untersuchte Amaral (2003) die Übungs- und Trainingseffekte von ACs auf der Basis von zwölf Studien mit insgesamt 1200 AC-Teilnehmern. Dabei unterschied er einzelne Gruppen nach dem Grad der Vorerfahrung und Vorbereitung differenziert. Die Wirkung der AC-Vorerfahrung zum Beispiel wurde sowohl dichotom (ja/nein) als auch und im Hinblick auf die Anzahl der schon absolvierten Verfahren berechnet. In den einzelnen der zwölf Studien zeigen sich durchaus signifikante Effekte einzelner Maßnahmen des Trainings oder der Vorbereitung. Bei der metaanalytischen Zusammenfassung der Studien ergibt sich eine Effektstärke von d = 0.10 für die AC-Vorerfahrung.

In einer weiteren Studie bestand die Möglichkeit, 47 Wiederholer des im Durchschnitt nach zwei Jahren erneut durchgeführten Verfahrens nochmals zu betrachten. Die Teilnehmer erhielten nach der ersten Runde ein Feedbackgespräch, ein Gutachten sowie Trainingsempfehlungen. Die Effektstärke der AC-Wiederholung betrug (hohe) d = 0.89. Am höchsten war der Lerngewinn bei der Dimension Führungskompetenz (d = 1.11), am geringsten bei analytischen Fähigkeiten (d = 0.46).