Performance-Management: Was bewegt mehr - Bonuszahlungen oder Feedbackgespräche?

Prof. Dr. Christof Obermann

Dass wir als Mitarbeitende nicht immer rational nach dem Prinzip des Homo Oeconomicus funktionieren, hat sich herumgesprochen. Aber zu der tatsächlichen Wirkung von Bonuszahlungen auf Leistung gibt es bisher kaum empirische Evidenz.

Meine Professoren-Kollegin Manthei von der RFH ist diesbezüglich mit einem innovativen, experimentellen Design weitergekommen (Manthei, Sliwka & Vogelsang, 2019). Versuchspersonen waren Filialleiter einer Discount-Kette. Diese werden traditionell nach einem Kennwert gesteuert, der die notwendigen Personalaufwendungen in Relation zur Fläche oder Umsatz setzt. Neu war die Bonifizierung nach dem Deckungsbeitrag der Filialen. Dem gegenüber gestellt wurde statt Bonus die Wirkung von Feedbackgesprächen. Aber was wirkt am besten? Bonuszahlungen, regelmäßige Feedback-Gespräche oder die Kombination aus beidem?

In der Untersuchung wurden 224 Filialleiter einer Region zufällig in vier unterschiedliche Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt Bonuszahlungen beim Erreichen eines bestimmten Gewinn-Schwellenwerts. Die Filialleiter der Feedback-Gruppe führten mit den Vorgesetzten im Zwei-Wochen-Rhythmus Gespräche zu durchgeführten und möglichen Aktivitäten zur Steigerung des Gewinns. Bei den zwei weiteren Gruppen wurden die beiden Praktiken gemeinsam bzw. keine der beiden eingesetzt.

Abbildung 1: Untersuchungsgrupppen

Die Ergebnisse zeigen, dass die Feedback-Gespräche eher zu einer Leistungssteigerung führen als Bonuszahlungen. Es ergab sich durch die eingeführten Gespräche tatsächlich eine Gewinnsteigerung um etwa 7-8%. Wenn im Einzelhandel typische Umsatzrenditen von 1% oder 2% sieht, ist dies ein erheblicher Effekt. Erstaunlich waren die Ergebnisse der kombinierten Gruppe, in welcher Gespräche geführt und Bonuszahlungen ausgeschüttet wurden: Der positive Effekt der Feedback-Gespräche blieb durch die Bonuszahlungen aus. Hier war der Effekt auf den Gewinn ähnlich gering wie in den Filialen, in denen nur Bonus ausgezahlt wurde oder keine Maßnahmen eingeführt wurden.

Abbildung 2: Auswirkungen der Maßnahmen auf den Gewinn von Einzelhandelss-Filialen

Warum wird der Effekt von Feedback-Gesprächen durch Bonuszahlungen geschwächt?

In der Gruppe in der alleinig Feedback-Gespräche durchgeführt wurden, zeigte sich ein sehr offener Austausch über Probleme und Anstrengungen – dies führt zu einer Steigerung der Reputationsanreize. Hingegen wurde in der Gruppe, in welcher sowohl Feedback-Gespräche als auch Bonuszahlungen eingeführt wurden, kaum über Probleme gesprochen. Somit wird die Qualität und Offenheit in solchen Gesprächen durch die Bonuszahlungen untergraben. Dieser Effekt lässt sich dadurch erklären, dass der Bonus die Aufmerksamkeit auf den instrumentellen Wert des Geldes lenkt und korrumpiert. Resultierend wirken die Bonuszahlungen den Reputationsanreizen der Gespräche entgegen und schwächen deren positiven Effekt auf den Gewinn.

Eine der größten Herausforderungen von Unternehmen, ist es die Mitarbeitenden zu Bestleistungen zu motivieren. Die Untersuchung von Kathrin Manthei und Kollegen konnte nachweisen, dass allein die Durchführung regelmäßiger Gespräche zu Leistungsverbesserungen bzw. Gewinnsteigerungen führen kann. Zudem wurde eine saubere Evidenz dafür gefunden, dass die Qualität von Feedback-Gesprächen abnimmt, wenn Geld dabei eine Rolle spielt. Somit stützt das Ergebnis die Notwendigkeit von Unternehmen, Gespräche zu Leistungsfeedback zu fördern. Als Führungskraft ist kaum etwas schädlicher, als kein Feedback zu geben.

Quelle:

Manthei, K., Sliwka, D. & Vogelsang, T. (2019). Talking About Performance or Paying for it? Evidence from a Field Experiment. IZA Discussion Paper, 12446. https://doi.org/10.2139/ssrn.3415792

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